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Das linke Fenster
Im oberen Teil, in der Rosette, erkennen wir Eva, die Adam
eine rote Frucht reicht. Um den Baum der Erkenntnis windet sich die
Schlange, das Urbild des Bösen. Sie hat es erreicht, dass aus dem
einfältigen Vertrauen auf Gott das Misstrauen wurde. Dieses
Misstrauen sondert den Menschen von Gott, er lebt in der Sünde.
Die linke Hälfte des Fensters unter der Rosette zeigt den
brennenden Dornbusch in der Wüste. Es heißt: Mose wundert
sich, dass er nicht verlöscht. Wir befinden uns an dem Ort, an
welchem sich Gott offenbart und Moses zum Erretter seines in
Ägypten geknechteten Volkes beruft.
Jahre später schließt Gott mit Israel einen Bund:
„Ich will euer Gott und ihr sollt mein Volk sein.“ Die
rechte Hälfte des Fensters zeigt Mose mit den Tafeln. Auf ihm
liegt der Glanz Gottes, sodass die Menschen vor ihm in die Knie gehen.
Und doch ist sein Volk immer wieder schuldig geworden. Schon die Risse
in den Gebotstafeln erzählen davon.
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Das halblinke Fenster
Im Mittelteil sehen wir den Jesus am Kreuz. Er hat sterbend
den Kopf zur Seite geneigt. Die dunklen Blautöne des Hintergrundes
erinnern an die Finsternis, die während der Kreuzigung drei
Stunden lang über dem Lande lag. Oben am Kreuz auf der Tafel lesen
wir die Buchstaben INRI = Jesus, Nazarener, König (latein. Rex)
der Juden. Rechts unter dem Kreuz sehen wir Maria, die Mutter Jesu,
links seinen Jünger Johannes, der den Auftrag bekommt, die Mutter
des Herren in sein Haus aufzunehmen. Beide Gestalten stehen betend am
Kreuz.
Darunter ist die Grablegung Jesu dargestellt. Maria und
Johannes sind wieder zu erkennen. Ihre Gesichter drücken tiefsten
Schmerz aus. Der Leichnam Jesu wird von zwei Männern getragen: Am
Kopfende ein älterer Mann mit Bart. Es ist Nikodemus, ein
Gelehrter und Ratsherr der Juden, der Jesus einmal bei Nacht besucht
hatte, um mit ihm über den Glauben zu sprechen. Am Fußende
ist Josef von Arimathia zu sehen, ein vornehm gekleideter jüngerer
Mann. Er hatte sein eigenes Grab für die Beisetzung zur
Verfügung gestellt. Im oberen Teil des Fensters, in der Rose,
sehen wir Ranken und Trauben eines Weinstocks und eine Sonne. Hier wird
uns die Deutung des Todes Jesu gegeben: Er ist für uns gestorben.
Im Wein des Abendmahls empfangen wir sein Blut, das er für uns
vergossen hat. Zugleich ist er für uns zur Sonne geworden, deren
Strahlen in unsere Finsternis hineinleuchten.
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Das mittlere Fenster
Dieses Fenster zeigt drei Szenen aus der biblischen
Geschichte. Der untere Teil stellt das Totenreich dar, in welchem
Finsternis herrscht. Im Vordergrund erblickt man einen Engel, mit
Schwert und Schild bewaffnet. An seiner Seite schweben je zwei Engel
mit Posaunen. Hier ist offensichtlich mit künstlerischer Freiheit
eine uns wenig bekannte Bibelstelle gestaltet worden. Im 1. Petrusbrief
heißt es, dass auch den Toten das Evangelium verkündigt
werden wird. Die dargestellten Engel leiten über zum Mittelpunkt
des Bildes auf dem Jesus Christus als Richter zu sehen ist. Nach der
Vorstellung der frühen Christenheit rufen die Posaunen zum
jüngsten Gericht, in welchem das Schild zum Schutze der Seligen,
das Schwert zu Strafe der Verdammten dienen sollen.
Sicher nicht zufällig hat der Künstler die Gestalt
Jesu Christi über die Werkzeuge des Gerichtes gesetzt. Ihm allein
steht das endgültige Urteil zu. Ebenso bewusst lässt er den
Herrn im Königsmantel thronend - dennoch die Dornenkrone tragen.
Ein König der Gnade wird über uns richten. Im oberen Teil des
Fensters erscheint eine mittelalterliche Stadt mit Mauern und
Türmen. Rings um diese Stadt erblicken wir Gesichter von
Männern und Frauen. Sie alle tragen den Glorienschein.
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Das halbrechte Fenster
Im unteren Teil sehen wir drei Frauen in Trauerkleidung am
Grabe Jesu. Es heißt, dass Maria, die Mutter des Jakobus, Maria
Magdalena und Salome zum Grab kamen, um den Leichnam Jesu zu salben.
Als sie überrascht das Grab offen finden und hinein gehen,
begegnet ihnen ein Engel. Der Künstler hat diese Gestalt durch
Flügel und in der Farbe verändert: Der Bote Gottes deutet den
erschrockenen Frauen das Geschehen. Mit der einen Hand zeigt er auf den
Boden: „Siehe da die Stätte, da sie hinlegten.“ Mit
der anderen Hand weist er nach oben: „Ihr suchet Jesus von
Nazareth, den Gekreuzigtem; er ist auferstanden und ist nicht
hier.“
Das mittlere Bild stellt die Himmelfahrt Jesu dar. Sein
Gesicht ist nach oben gewandt, die Arme sind ausgebreitet, als wollte
er sagen: „Vater, es ist alles nach deinem Willen
vollbracht.“ So wird hier das gegenüberliegende
Kreuzigungsfenster ergänzt. Der Vater hat sich in der Auferweckung
des Sohnes zum Gekreuzigten bekannt, sein Sterben war kein Scheitern,
sondern der Sieg über Sünde und Tod.
Der Weggang Jesu ist kein trauriger Abschied von den
Jüngern: „Es ist gut für euch, dass ich fortgehe, denn
sonst wird der Stellvertreter nicht zu euch kommen“ (Joh. 16, 7).
Der Heiligen Geist sehen wir im oberen Teil des Fensters in der Taube
dargestellt. Auf ihn laufen die Strahlen zu, auf ihn zielt die
Geschichte von der Himmelfahrt Jesu. Jetzt ist Gott in einem
„neuen Bund“ erfahrbar, jetzt ist sein Wille, die Liebe,
mit einem „neuen Herzen“ erfüllbar.
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Das rechte Fenster
In der Rosette finden wir Noah mit der Taube. Noah hat auf den
Befehl Gottes hin die Arche auf trockenem Land gebaut. Die Leute
verspotteten ihn, dann aber ertranken sie in der Flut, die Gott
schickte. Nur Noah und seine Familie, sowie die Tiere in der Arche
überlebten. Noah sitzt auf dem Vorderteil des Schiffes, von Wellen
umgeben. Sobald die Wasser sich verlaufen, lässt Noah eine Taube
fliegen. Sie kommt einmal ohne Ergebnis, zum anderen Mal mit einem
Ölzweig im Schnabel zurück. Die Erde begrünt sich
wieder, Gott hat Frieden gemacht, als Zeichen setzte er den Regenbogen
an den Himmel.
Der Hauptteil des Fensters zeigt uns die Opferung Isaaks.
„Nimm deinen Einzigen Sohn, den du lieb hast, und opfere
...“ verlangte Gott von Abraham. Dieser fügt sich in den
Befehl Gottes, der ihm unbegreiflich erscheinen musste, denn dieser
hatte ihm große Nachkommenschaft verheißen und darin den
Segen für alle Völker. In seinem Herzen hat Abraham sich von
Isaak gelöst, als er die Hand zum Töten anhob. Gott fiel ihm
in den Arm. Ein Engel unterbricht den Opferakt. „Nun weiß
ich, dass du Gott fürchtest.“ Zwei Tauben erscheinen als
Friedensboten Gottes. Der Engel zeigt auf ein Lamm, das sich im
Dorngebüsch verfangen hat. Dieses stirbt dann den Opfertod an
Isaaks statt und ist damit ein Hinweis auf Jesus: „Siehe, das ist
Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ Der
unbegreifliche Gott vollzieht das Opfer, das vor dem Abraham bewahrt
blieb. Er gibt seinen einzigen Sohn, den er lieb hat, in den Tod ans
Kreuz. Das geschieht für uns: So sehr hat Gott die Welt
geliebt.
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